Schnee, -6° / -2°C
Wir verlassen die Autobahn A8 München - Salzburg an der Ausfahrt Holzkirchen und folgen anschließend der B 13 in südlicher Richtung über Bad Tölz weiter nach Lenggries. Kurz hinter Lenggries biegen wir in Richtung Jachenau ab und überqueren die Isar über die Bretonenbrücke. An der darauffolgenden Abzweigung biegen wir links ab und fahren in die Jachenau. Nach dem Weiler Letten und noch vor Petern biegen wir rechts in einen Forstweg ein um zum Wanderparkplatz zu gelangen.
Wanderparkplatz Petern (767m), Jachenau.
Wir folgen dem Forstweg unmittelbar vom Wanderparkplatz nahe dem Jachenauer Ortsteil Petern nach Westen über eine Weidezaun-Einrichtung und den Lauf des Reichenaubach hinein ins weitläufige Weidegebiet am Eingang zum Reichenautal. Nach etwa vierhundert Metern gemütlicher Fahrt biegen wir an einer Verzweigung rechts ein in Richtung Benediktenwand. Der Weg beginnt nun erstmals anzusteigen und führt uns alsbald in den Wald hinein. Sobald der Forstweg schließlich gänzlich von Bäumen umsäumt ist, beginnt die größte Herausforderung auf dieser Tour. Teilweise so steil, dass der Vorderreifen abhebt oder der Hinterreifen auf dem schottrigen Untergrund durchgeht, ist diese zwei Kilometer lange Passage nur von Mountainbike-Profis mit viel technischem Fahrgeschick oder E-Bikern zu meistern. Es kann also damit gerechnet werden, dass man selbst als gut trainierter Mountainbiker einige Höhenmeter schiebend bewältigen muss ehe man in den eigentlichen Genuss-Teil dieser Tour kommt.
Nach vierhundert Höhenmetern seit Beginn der Tour im Talgrund der Jachenau erreichen wir schließlich den Langeneck-Sattel (1167m), einen nicht besonders aussichtsreichen dafür jedoch dankenswerterweise flachen Abschnitt mit Sitzbank im schattigen Schutz der umgrenzenden Bäume. Bevor wir überhaupt an eine Weiterfahrt denken, genießen wir die Stille der Natur und erholen uns von den Strapazen der Auffahrt. Wie in der Jachenau üblich, finden sich auch oben auf dem Sattel in mühsamer Handarbeit erstellte Schilder, die uns den Weg weiter in Richtung Tanner-, Bichler- und Scharnitz-Almen weisen. Und so bleiben wir auf dem Hauptweg, der uns nach der schwierigen Auffahrt erst einmal leicht bergab führt. Nun endlich lichtet sich auch der Wald etwas und wir erblicken bereits von der Ferne die felsigen Flanken an deren Ausläufern sich die Scharnitz-Almen befinden. Das Ziel der heutigen Ausfahrt im Blick gewinnen wir zügig an Strecke und passieren dabei die obere Orterer-Alm (1140m), auf die man rechter Hand vom Fahrweg aus und etwas tiefer gelegen inmitten der grünen Almwiesen einen guten Blick hat.
Nachdem wir das freie Almgebiet durchquert haben, fahren wir wieder in den Bergwald ein und sehen uns erneut der Steigung ausgesetzt. Diesmal ist jedoch mit einem üblichen Anstieg zu rechnen der darüber hinaus auch bereits nach etwa einem Kilometer schon wieder hinter uns liegt. Die Abzweigung zur Tanner-Alm (1340m) lassen wir sprichwörtlich links liegen, überqueren kurz darauf in einer Rechtskurve einen kleinen Bachlauf und erreichen nur wenige Meter weiter eine erneute Abzweigung. Auch diese, über die eine Weiterfahrt zur Bichler-Alm (1437m) möglich wäre, lassen wir unbeachtet und folgen dem Forstweg in gerader Richtung weiter.
Wir lassen uns etwa vierhundert Meter weit rollen, ehe edie Route uns erneut bergan führt. Nach wenigen Minuten fahren wir in ein weiteres Almgebiet ein. Die Kulisse mit Blick auf die nunmehr bereits viel näher gerückten Felswände lässt uns nur im Ansatz erahnen, welch atemberaubende Landschaft uns im weiteren Verlauf erwartet. Zuvor jedoch gilt es noch etwa einhundertfünfzig Höhenmeter auf einer Strecke von rund zwölfhundert Metern zu überwinden. Je höher wir uns hinauf kämpfen, desto lichter wird schließlich auch der Wald und so erreichen wir abgelenkt von der Schönheit der Natur bald darauf das Ende der ansteigenden Passage.
An einer Weggabelung entscheiden wir uns zunächst für die Weiterfahrt nach rechts um nach nur einer Kurve zur Vorderen Scharnitz-Alm (1420m) zu gelangen. Auf einem Wiesenhang unterhalb der Achselköpfe (1709m) gelegen, besteht die Alm aus einem neu renovierten Hauptgebäude sowie der nebengelagerten, alten Alm mit separatem Stall. Die beiden älteren Bauten liegen so idyllisch vor der malerischen Kulisse der Berge, dass sie im Jahr 2007 als Drehort für einige Szenen des Films "Brandner Kaspar" von Regisseur Joseph Vilsmair mit Michael "Bully" Herbig dienten. Von der nicht bewirteten Alm in Privatbesitz führt ein Pfad über den man auf die Achselköpfe (1709m) und schließlich auch auf die benachbarte Benediktenwand (1801m) oder in Richtung Brauneck aufsteigen kann.
Auch wenn sich dieser Platz ideal eignet um sich bei einer mitgebrachten Brotzeit von der beschwerlichen Auffahrt zu erholen, so empfiehlt sich dennoch die nur kurze Weiterfahrt zur Hinteren Scharnitz-Alm (1413m), die man über den links weiterführenden Weg an der zuvor passierten Abzweigung erreicht. Nur etwa einen halben Kilometer ohne erwähnenswerte Anstiege legen wir zurück bis zur Alm unterhalb des Rotöhrsattels (1665m), der Achselköpfe (1709m) im Osten und Benediktenwand (1801m) im Westen miteinander verbindet. Eine einmalige Kulisse vor den schroffen Felswänden. Auch hier sucht man - wie auf der gesamten Tour - vergebens nach einer bewirteten Hütte, doch allein der Ausblick von der kleinen Terrasse aus hinunter in Richtung Jachenau entschuldigt diesen Umstand bei weitem. Eine insbesondere im ersten Teil extrem anstrengende, jedoch landschaftlich wunderbare Mountainbike-Tour mit nur wenig Frequentierung liegt hinter uns und wir genießen dieses einzigartige Ambiente ausgiebig, bevor wir den Rückweg antreten. Bei der Rückfahrt hinunter ins Tal über die von der Auffahrt bekannte Strecke ist aufgrund der steilen Passagen Vorsicht geboten!
Diese Tour wurde vom Autor selbst gefahren und nach bestem Wissen und Gewissen aufbereitet, eine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben wird dennoch nicht gegeben. Das Befahren erfolgt stets auf eigene Gefahr. (Haftungsausschluss)
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